Das Land der Classic Cars
Rund 48.000 Oldtimer aus den 40er und 50er Jahren auf einem Fleck. Wer das erleben will, muss nach Kuba fahren. Wegen des Embargos scheint auf den Straßen (und nicht nur dort) die Zeit stehen geblieben zu sein. Alles, was fährt, wird mit großen Aufwand gepflegt, da es weder neue Autos noch ausreichende Ersatzteile gibt. Auch wenn das weder Youngtimer sind noch ein nennenswerter Bezug zu europäischen Autos besteht, will ich die Situation und ihre Hintergründe kurz darlegen.
Kuba liegt wirtschaftlich am Boden und die Menschen dort haben existentielle Probleme, die weit über ihre Autos hinausgehen, daran gibt es nichts zu beschönigen. Für Auto-Liebhaber sind die Straßen dennoch eine Art bizarres Museum voller US-Straßenkreuzer. Wegen der engen Beziehungen wurden in den 40er und 50er Jahren vor allem amerikanische Wagen nach Kuba importiert, insgesamt etwa 200.000 Stück. Nach der Revolution 1959 schottete das Embargo die Insel ab, außer ein paar russischen Ladas kamen keine neuen Fahrzeuge nach. Zudem wurde Privatleuten der Besitz eines Fahrzeuges verboten, abgesehen von Modellen vor Baujahr 1959
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Mit viel Improvisationstalent und großer Ausdauer haben die Kubaner etwa 48.000 davon bewahrt. An vielen hängen Existenzen, bei Defekten muss der Besitzer auf seine Einnahmen als Spediteur oder als Taxifahrer verzichten. Jedes noch so heruntergekommene Gefährt wird deswegen mühsam soweit wieder aufgebaut, bis es wieder fährt. Die meisten Autos sind mittlerweile deutlich älter als ihre Besitzer, viele sind aus unzähligen verschiedenen Teilen zusammengesetzt, so dass kaum noch Hersteller und Modell zu erkennen sind. Da die Oldtimer mittlerweile eine Touristenattraktion darstellen, gelten sie als Kulturgut und dürfen nicht außer Landes gebracht werden. Selber fahren ist absolut verboten, nur ein speziell ausgewiesenes Taxi ist für Ausländer zulässig. Dadurch soll der Kontakt mit den Einheimischen verhindert werden, die offizielle Begründung sagt jedoch viel über den Zustand der kubanischen Autos und der Straßen aus. Nur der Besitzer kenne alle Tücken und Eigenheiten seines Fahrzeuges, heißt es, so dass jeder andere Fahrer ein Sicherheitsrisiko wäre…
(Bild von pixelstuebchen.de)
Tags: Classic Cars, Kuba, Oldtimer, Straßenkreuzer, Taxis, USA
Juli 21st, 2010 at 15:42
Für Autoliebhaber ein Eldorado! Mir graut schon davor, wenn der Markt sich in wohl absehbarer Zeit für ausländische Marken wieder öffnet! Dann wird sicher ein Großteil der Klassiker einfach verschrottet oder von reichen Ausländern aufgekauft werden.
Das unterstreicht meinen Wunsch, mir noch einmal das Kuba anzusehen, wie es derzeit ist: Mit klassischen Autos, Zigarren und gutem Rum!
P.S.: Danke für diesen tollen Beitrag!