Luftgekühlte Autos: Gone With The Wind

Was ist toll daran, wenn ein Fahrzeug eine veraltete Technik hat, die unbestritten einige Nachteile aufweist? Liebhaber luftgekühlter Autos müssen sich diese Frage hin und wieder stellen, und wenn sie es nicht selber tun, gibt es bestimmt jemanden in ihrer Umgebung, der das nicht versteht. Die bekanntesten luftgekühlten Fahrzeuge sind der VW Käfer, die VW Bullis T1, T2 und die ersten Modelle des T3, der Fiat 500, die Ente (Citroen 2 CV) und natürlich der Porsche 911. Alle sind heute schon von weitem am Klang zu erkennen und haben eine große Fan-Gemeinde. Was macht ein luftgekühltes Fahrzeug aus und warum gibt es sie heute nicht mehr?

Käfer Schema

Das Prinzip der Luftkühlung beim VW Käfer: blau die kalte, einströmende Luft, rot die erwärmte Luft die abgleitet wird.

Also, schalten wir in den Klugscheißmodus und machen einen kurzen Exkurs in die Technik. Bei wassergekühlten Motoren wird der Motorblock von Kühlwasser umspült, dass zwischen Kurbelgehäuse und Kühler zirkuliert und so die Wärme abführt. Luftgekühlte Motoren hingegen haben keinen Wassermantel, keinen Kühler und kein Kühlwasser, sondern Rippen auf den äußeren Wänden des Motorblocks. Der Fahrtwind, der durch Öffnungen und Windkanäle auf den Motor geleitet wird, hat so eine größere Angriffsfläche, um das Triebwerk zu kühlen. Luftgekühlte Motoren sind fast immer Boxermotoren, da diese besser angeströmt werden.

VW Bus Aircooled

Luftgekühlte T3 sind am einzelnen Grill und an den hinteren Luftschlitzen aus Blech zu erkennen. Ab 1981 hatt alle VW-Busse zwei Grills und hinten Einsätze aus Kunststoff.

Der zentrale Nachteil ist, dass die Motorkühlung immer von der Geschwindigkeit anhängig ist, bei langsamer Fahrt oder im Stau kann das Fahrzeug leicht überhitzen. Zudem geht die Heizleistung gegen null, vor allem bei Modellen mit Heckmotor. Durch den fehlenden Wassermantel ist der Motor zudem deutlich lauter. Was für gesichtslose Ford-Ka-Fahrer ein Manko ist, bedeutet für Autokenner jedoch einen akustischen Genuß: Das Rasseln eines luftgekühlten Boxer-Motors erkennt man von weitem, gerade bei größeren Triebwerken wie etwa im Porsche 911 bringt das eine Gänsehaut mit sich. Zudem haben Aircooled-Motoren einen weiteren, unschlagbaren Vorteil. Was nicht da ist, kann auch nicht kaputtgehen. Frostschäden, Probleme mit der Wasserpumpe, undichte Kühler oder Wasserverlust kennt der Anhänger der Luftkühlung nicht. Deswegen wurde die Luftkühlung vor allem aus Kostengründen gewählt, obwohl das Prinzip der Wasserkühlung von Anfang an bekannt war.

Porsche 911 Aircooled

Der letzte "echte" 911er: Als der Porsche 993 1998 auslief, war es vorbei mit der Luftkühlung aus Zuffenhausen.

Leider sind die Aircooled-Modelle trotzdem Stück für Stück ausgestorben. Der VW Käfer wurde vom VW Golf mit Frontmotor und Frontantrieb (gähn!) abgelöst, Fiat 500 und Ente sind zumindest in ihrer Urform von uns gegangen, und auch dem VW T3 wurden nach dem Start mit Luftkühlung ein Kühlwassersystem und zusätzliche Grills verpasst, um Dieselmotoren verwenden zu können. 1993 starb auch die letzte Bastion der Klassiker. Der Porsche 911 wurde von einem Nachfolger abgelöst, dessen Boxer-Herz erstmals von Wasser umspült wurde. Für Puristen ist alles, was danach kam, kein richtiger Porsche mehr, genauso wie auch ein echter VW Bus eigentlich Heckmotor, Heckantrieb und einen rasselnden Aircooled-Boxer haben muss. Spätestens beim nächsten Stau in sengender Hitze erscheint die Wasserkühlung dann jedoch zumindest nicht mehr ganz schlecht…

(Bilder: 1x Wikipedia, 1x Käfer&Bulli.de, 1x elferclassic.de)

So muss er klingen:

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