Schneewittchensarg der Achtziger: Volvo 480 (1986-1995)

Volvo 480Der originale „Schneewittchensarg“ von Volvo war der P1800 ES (1971-1973), der seinen Spitznamen wegen des langen Kofferraumes mit großen Fensterflächen und einer gläsernen Heckklappe bekam. Neben dem aktuellen Volvo C30 kann auch der Volvo 480 als dessen Nachfolger betrachtet werden. In den Achtziger Jahren baute Volvo damit erstmals ein Auto für den Kompaktwagen-Markt, der zwar zeitlebens ein Exot war, in neun Jahren aber immerhin rund 80.000 Mal verkauft wurde.

Technisch basiert der Volvo 480 auf den größeren Modellen Volvo 440 und Volvo 460 und wird deswegen ebenfalls zur 400er-Reihe gezählt. Allerdings wurden umfangreiche Änderungen der Plattform vorgenommen, so etwa der Umbau von Heckantrieb auf Frontantrieb. Der 480 war damit das erste frontgetriebene Modell in der Geschichte von Volvo. Auch das Blechkleid war vollkommen anders als bei den größeren Brüdern. Bereits bei Beginn der Planungen für ein neues Modell 1978 schrieben die Schweden einen Design-Wettbewerb für den neuen Volvo aus, an dem sich neben den Entwicklungszentren auch externe Ingenieure beteiligten. Der Sieger orientiert sich dabei vor allem im Heckbereich am Volvo P1800 ES, deswegen wird er oft mit dem „Schneewittchensarg“ verglichen.

Komplizierter wurde es an der Front: Volvo wollte ein schlankes Design, um das neue Modell von den kantigen Kombis und Limousinen abzugrenzen. Der sehr wichtige Markt in den USA verlangte jedoch eine gewisse Höhe der Scheinwerfer, der Designer griff also zu den in den Achtzigern populären Klappscheinwerfern. Ironischerweise wurde der Wagen jedoch nie in die USA exportiert. Bauchschmerzen bekamen die Schweden jedoch aufgrund der Tatsache, dass der neue Volvo keinen gut sichtbaren Kühlergrill hatte, an dem das traditionelle Volvo-Logo mit Diagonalstrich angebracht werden konnte. Man begnügte sich schließlich mit einem Schriftzug, dafür wurde der Name auf dem Glas der Heckscheibe prominent platziert und das Logo auf den untern Grill gequetscht.

Der Volvo 480 war ausschließlich als Benziner mit 95 bis 122 PS erhältlich, aufgrund des Frontantriebs war er jedoch nicht ganz so sportlich, wie sein äußeres es versprach. Volvo legte traditionell deutlich mehr Wert auf Sicherheit, deswegen wurde der 480 im Laufe der Zeit mit allen erhältlichen Sicherheitssystemen ausgestattet. Besonders bemerkenswert ist die optional erhältliche Zweifarb-Lackierung und die voll ausgestatteten Modelle zum Produktionsstopp 1995, die in Deutschland „Collection“ hießen. Wikipedia berichtet, dass diese jedoch nur zur „Lagerräumung“ dienten, da dort alle noch vorhandenen Teile wild kombiniert wurden. Auch ein Cabrio war geplant, außer einer Studie wurde jedoch wegen der Insolvenz des Zulieferers für die Dächer kein weiteres Exemplar gebaut. Heute ist der Volvo 480 bei uns fast von den Straßen verschwunden. Es gibt jedoch viele Freunde des „kleinen Elches“, und mit etwas Suchen und Glück kann man auch gut erhaltene Exemplare finden.

Volvo 480

(Bilder von Intelog und RP Online)

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