Der „französische Käfer“: Citroen 2CV (1948-1990)

Es ist ein Auto der Superlative: Über 40 Jahre lang im Angebot, über 6 Millionen Mal gebaut und ein Klassiker auf vier Rädern. Der Citroen 2 CV, besser bekannt als „Ente“, hatte für Frankreich eine ähnliche Bedeutung wie der VW Käfer für Deutschland, er sorgte für die erste Massen-Mobilität und half beim Wiederaufbau. Dennoch stand die Ente immer im Schatten des Käfer, ihr Erfolg war auf Frankreich beschränkt und schon bei der Vorstellung war sie technisch nicht gerade das Nonplus Ultra.

Ähnlich wie beim Käfer begann die Entwicklung bereits in den dreißiger Jahren. Die Anforderungen dabei waren äußerst pragmatisch: „Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 km verbraucht“, soll der Citroen-Boss dem Ingenieur gesagt haben. „Außerdem soll es selbst schlechteste Wegstrecken bewältigen können und so einfach zu bedienen sein, dass selbst eine ungeübte Fahrerin problemlos mit ihm zurechtkommt. Es muss ausgesprochen gut gefedert sein, so dass ein Korb voll mit Eiern eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht. Auf das Aussehen des Wagens kommt es dabei überhaupt nicht an.“ Wegen des Krieges kam die Entwicklung zum Erliegen, erst 1948 wurde eine überarbeitete, serienreife Version vorgestellt.

Citroen 2CVOberstes Ziel war es jedoch immer noch, günstige Mobilität zu ermöglichen. Die Bleche waren dünn und die Konstruktion mit Rahmenchassis, aufgesetzter Karosserie und angeschraubten Kotflügeln äußerst simpel. Für den Antrieb sorgte ein luftgekühlter, 375 ccm großer Zweizylinder-Boxer mit gerade mal 9 PS. Ein weiterer Superlativ der Ente: Im Laufe der Produktion wurde die Motorleistung mehr als verdreifacht, am Ende gab es sage und schreibe 29 PS. Auch sonst wurde überall die günstigste Lösung gewählt: Die Scharniere bestanden aus umgefalzten Blechen und simplen Bolzen, die Sitze waren einfache Rohrgestelle, die mit Stoff bespannt waren. Anfangs gab es nicht einmal einen Anlasser, der Citroen-Chef fand so etwas überflüssig: „Das Auto ist für Bauern gedacht, und die sind alle verheiratet und haben eine Frau, die die Kurbel betätigen kann.“ Nur in einem einzigen Punkt war die Ente dem Käfer voraus, den 2CV gab es immer mit vier Türen.

Schon nach wenigen Jahren war die Ente technisch überholt, trotz einiger vorsichtiger Weiterentwicklungen wie etwa Scheibenbremsen vorne ab 1981 (!). Zwischenzeitlich gab es sogar eine Allrad-Version, bei der kurioserweise einfach ein zweiter Motor eingebaut wurde. Spaß machte die Ente nicht: Auf dünnen Räderchen und mit watteweichem Fahrwerk neigte sich der Kleinwagen selbst im Schritttempo so sehr in die Kurve, dass an normales Fahren nicht zu denken war. Trotzdem wurde die Ente wegen günstiger Anschaffungs- und Unterhaltskosten zum Kult, nicht zuletzt wegen Sondermodellen wie der zweifarbigen Charleston-Ente. 1990 wurde die letzte Ente gebaut, denn auch Citroen hatte schließlich erkannt, dass der 2CV in keiner Hinsicht mehr zeitgemäß war und durch extrem schlechte Fahreigenschaften und geringe Geschwindigkeit immer mehr zum Sicherheitsrisiko wurde.

(Bild: oldtimer-selbstfahrer.de, Zitate: Wikipedia)

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