Mercedes W111 280 SE 3.5 Coupé (1969-1971)

Mercedes W111 CoupeWieder einmal ein Blechschatz, der hautnah und live zu bewundern war: Der Mercedes 280 SE 3.5 in der Coupé-Version, intern als Baureihe W111 bezeichnet. Von 1969 bis 1971 wurde das Coupé der sogenannten Heckflossen-Limousinen 3270 mal mit der Top-Motorisierung gebaut, die 200 PS aus einem 3.5-Liter-V8 bereitstellte. Damit stellte es das Coupé der S-Klasse dar, diese Position wird heute vom CL bekleidet. Eines der erhaltenen Exemplare konnte ich live begutachten, die Top-Version ist dabei nicht nur an der Typenbezeichnung am Heck erkennbar, sondern auch an der flacheren Motorhaube und dem etwas verkleinerten Kühlergrill. Bei früheren Exemplaren der Baureihe, die ab 1961 erhältlich war, war die Haube deutlicher ausgeformt und wirkte mit dem höheren Kühlergrill weniger sportlich und geduckt. Einige Exemplare hatten auch bereits andere Scheinwerfer mit weißen Blinkergläsern, dieser W111 hat noch die gelben Dreiecke. Im Gegensatz zur Limousine wurden bei Coupé und Cabrio die Heckflossen entschärft, sie sind nur noch in Ansätzen erkennbar.

Auf den ersten Blick fällt vor allem das üppige Chrom-Lametta an der Front auf, mit doppelten Stoßstangen und zusätzlichen Scheinwerfern. Auch hinten sind zusätzliche Zierleisten zu finden, die wahrscheinlich ein Erkennungsmerkmal der höchsten Ausstattungsvariante sind. Zudem fallen die gewölbten Scheiben vorne und hinten auf, neben den angedeuteten Heckflossen mit Sicherheit bei den amerikanischen Straßenkreuzern abgeschaut. Diese sogenannten „Panorama-Scheiben“ sind auch aus heutiger Sicht noch eine clevere Lösung, um das Blickfeld des Fahrers zu vergrößern und Sichtbehinderungen durch die A-Säule zu vermeiden. Da sie jedoch sehr teuer sind und mit heutigem Sicherheits- und Verbundglas kaum zu realisieren sind, verschwanden sie recht bald wieder.

Mercedes W111 CoupeDas W111-Coupé ist nicht nur bildschön, wie sich sogar jemand eingestehen muss, der absolut kein Mercedes-Fan ist, sondern stellte auch in technischer Hinsicht einen Meilenstein dar. Die Bodengruppe wurde von der Limousine unverändert übernommen, allerdings wurde die Karosserie in so vielen Details verändert, dass nicht ein einziges Teil vom Vorbild verwendet werden konnte. Aus diesem Grund war das W111-Coupé der letzte Mercedes der weitgehend in Handarbeit gebaut wurde, denn es mussten viermal so viele Teile manuell gefertigt und zusammengebaut werden. Aber auch technische Innovationen finden sich in dieser Baureihe. So wurden Knautschzonen und passive Sicherheit deutlich erhöht, zudem war die Mercedes-Heckflosse der erste PKW mit Stern, der an der Vorderachse Scheibenbremsen hatte. Beim Coupé und beim Cabrio baute man diese gleich vorne und hinten ein. Der 280 SE 3.5 ist als Coupé heute sehr selten, das Cabrio mit insgesamt nur knapp 1200 gebauten Einheiten noch seltener. Ein Exemplar davon spielte die Hauptrolle im Film „The Hangover“, wurde dabei jedoch leider weitgehend zerstört. Hoffentlich bleibt diesem Coupé solch ein Schicksal erspart.

(Bilder: blechschatz.de)

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