Coke Bottle Design: Opel Rekord C (1966-1972)

Wieder mal ein Blechschatz am Straßenrand: Der Opel Rekord C 1700 als zweitürige Limousine. Auch wenn die elegante Seitenlinie fast den Gedanken nahe legt, es handele sich ein Coupe, so ist es doch „nur“ das Brot-und-Butter-Modell mit zwei Türen. Das ebenfalls erhältliche Coupe ist durch die fehlende B-Säule und das zeittypisch Vinyl-Dach zu erkennen.

Der Opel Rekord war das Modell der oberen Mittelklasse, dass zwischen den Oberklasse-Limousinen Kapitän, Admiral und Diplomat und dem kompakten Kadett positioniert war. Dazwischen gab es nichts, denn der Rekord war inzwischen von der unteren Mittelklasse und der „normalen“ Mittelklasse in die obere Mittelklasse gewachsen und der Ascona kam erst 1972.

Technisch war der Opel Rekord C ziemlich fortschrittlich: Die alte, simple Blattfeder-Hinterachse des Vorgängers wurde durch eine von Opel als „Fünflenker-Achse“ bezeichnete Konstruktion ersetzt, die bis 1988 Standard bei den Rüsselsheimern war. Zudem gab es Scheibenbremsen vorne, eine Sicherheitslenksäule und einen Bremskraftverstärker. Die Motoren waren weniger innovativ und reichten von 58 bis 106 PS, einer davon sogar als Reihensechser. Für damalige Verhältnisse also durchaus üppige Motorisierungen.

Viel wichtiger aber das Design: Opel orientierte sich am „Coke-Bottle-Design“, das zu der Zeit in Amerika der letzte Schrei war. Die Silhouette gleicht dabei einer liegenden Cola-Flasche. Weit ausladende Radhäuser und Kotflügel mit einer schlanken Taille ergeben ein kurviges Design. Der Opel GT, Traumauto jener Tage, kopierte die üppigen Formen einer Chevrolet Corvette, und auch der Rekord C orientierte sich an dieser Design-Linie. Durchaus mutig, ein Volumen-Modell so fortschrittlich zu designen, aber die Zahlen sprechen für sich: Mit über 1,2 Millionen Fahrzeugen war es das erfolgreichste Modell der Rekord-Reihe.

Über das Design verliert Rainer Günzler jedoch kein Wort. Offenbar war der Herr in den Sechzigern ein etablierter Autotester, jedenfalls prüfte er den Rekord bei seinem Erscheinen auf Herz und Nieren, siehe Video unten. Günzler ist (im Rahmen seiner überschaubaren Emotionen) begeistert, vor allem darüber, dass „Opel auf jegliche sportliche Auslegung der Maschine verzichtet hat“. Was wir heute als abenteuerlich lange Federwege, extreme Seitenneigung und ein Fahrverhalten jenseits des guten Geschmacks bezeichnen würden, war damals genau richtig für den „anspruchslosen Autofahrer“. Und bevor der Motor im übersichtlichen Motorraum erläutert wird, muss natürlich erst noch die Sonnenbrille hervorgeholt werden…

(Bild: blechschatz.de)

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