Der bessere Mini: Austin Seven (1959-2000)

Kleinwagen-Wochen bei Blechschatz: Nach dem Citroen 2CV kommt nun der Austin Seven an die Reihe beziehungsweise der Austin Morris Minor an die Reihe. Die offiziellen Bezeichnungen kennt jedoch kaum jemand, besser bekannt ist der Wagen als Mini. Und wir reden jetzt nicht von der aktuellen Plastik-Version, sondern vom Ur-Mini, der zwischen 1959 bis 2000 weit über fünf Millionen Mal gebaut wurde. Der neue Mini mit BMW-Genen bietet zwar zugegebenermaßen jede Menge Fahrspaß, hat aber nicht nur zweifelhafte Ableger wie den Countryman hervorgebracht, sonder besteht auch zu gefühlten 80 Prozent aus Plastik.

MiniDer Austin Seven hingegen war für Großbritannien in etwa das, was der Käfer für Deutschland und die Ente für Frankreich darstellte: Er war das Auto, das eine Massenmobilität und wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichte. Von seiner kontinentalen Konkurrenz unterschied ihn jedoch ein wesentliches Merkmal, dass ihn heute weit über Käfer und Ente hervorhebt: Er macht Spaß! Magere 600 Kilo Leergewicht wurden schon in der ersten Basis-Version von 34 PS bewegt. Klingt heute wenig, brachte aber für damalige Verhältnisse sportliche Fahrleistungen. Zum Vergleich: Die Ente startete mit 9 PS und hat es nie auf mehr als 29 Pferdestärken gebracht.

MiniAuch technisch war der Mini ein Meilenstein, er war eines der ersten Massenmodelle mit quer eingebautem Frontmotor. Dazu kam ein bretthartes Fahrwerk mit Federung aus Gummi, kurze bis nicht vorhandene Überhänge und ein erstaunliches Platzangebot. Sein ganzes Potential zeigte sich vor allem in den höher motorisierten Versionen Mini Cooper und Mini Cooper S. Diese trugen den Namen der Tuning-Werkstatt von John Cooper, der durch die Sondermodelle zum Haustuner von Austin wurde und daran sicherlich nicht schlecht verdiente. Gerüchteweise soll er von jedem verkauften Mini 2 Pfund alleine für die Namensrechte bekommen haben. Diese Mini Cooper feierten große Rennerfolge und waren auch als Straßenversionen ein absoluter Bestseller.

MiniDer Mini wurde in seiner Ur-Form 41 Jahre lang gebaut, in nur wenigen Details wie Scharnieren, Leuchten, Instrumenten oder dem in den Achtzigern verpflichtend gewordenen Katalysator wurde er verändert. Trotzdem war er auch bei der Einstellung der Produktion 2000 noch nicht veraltet, sondern fahrtechnisch immer noch eine Hausnummer. Grund für das Ende des „echten“ Mini war vielmehr die Karosserie, sie entsprach nicht mehr den Sicherheitsstandards. Zudem wurde es für die immer größer werdende Bevölkerung schwer, sich auf dem Fahrersitz dauerhaft bequem zu platzieren (schon mal mit 1,86m im Mini gesessen???). Der Hersteller wechselte in all den Jahren häufiger: Aus Austin wurde die Mini Motor Company und später die British Motor Company, die dann zunächst an British Leyland und dann an Rover verkauft wurde.

2001 kam der neue Mini, der zwar viele Details liebevoll zitiert (aussenliegende Scharniere, Scheinwerfer und Leuchten aus dem vollen Blech geschnitten), aber doch nicht mehr ist als eine halbherzige Kopie. Der echte Mini ist kleiner, kantiger und ruppiger, er sollte in British Racing Green lackiert sein, mehrere Zusatz-Scheinwerfer an der Front und den Union Jack auf dem Dach. Ein Mini gehört auf die Rennstrecke und nicht ins Shopping-Viertel.

(Bilder: Mini Cooper Köln, Arcor und Auto Bild)

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